SASWein

  • Societas Amicorum Selectorum
  • Süffig. Aufrichtig. Standhaft.
  • Sehr Alte Schätze
  • Sonderausschuss für Sinnfragen
  • Samstags. Achtzehn Uhr. Scharf.
  • Steht Am Schluss

Ein Zirkel um Wein. Gegründet aus Gründen. Fortgeführt aus Gewohnheit.

Weiter unten wird es nicht klarer.

Kapitel I

Der Zirkel

Irgendwann trafen sich einige Leute, um eine Flasche zu öffnen, die zu gut war, um sie allein zu trinken. Sie öffneten eine zweite, um die erste einordnen zu können. Die dritte war dann bereits Methode.

Seither kommt SAS Wein zusammen, wenn es etwas zu verkosten gibt, und gelegentlich auch, wenn nicht. Es existieren ein Protokoll, eine Sitzordnung und eine Kasse. Es existieren keine Satzung, kein Vorstand und ausdrücklich keine Website. Bis jetzt.

Was SAS Wein nicht ist, lässt sich dagegen sehr genau sagen: kein Handel, kein Verein, keine Anlageberatung, keine Loge, kein Franchise und unter keinen Umständen ein Newsletter.

Kapitel II

Die Chiffren

Für SAS kursieren mehrere Lesarten. Wir dementieren keine.

Keine dieser Lesarten ist bestätigt. Eine davon stimmt vielleicht. Vielleicht auch keine.

Kapitel III

Die Regeln

Sechs an der Zahl. Über die sechste wird gestritten.

  1. 1. Geteilt wird immer.

    Wer eine Flasche mitbringt, bringt sie für den Tisch mit. Wer eine Flasche für sich behalten möchte, findet dafür bessere Orte als diesen. Die Regel ist die älteste, die kürzeste und die einzige, gegen die nie verstossen wurde. Einmal wurde es versucht. Der Versuch steht im Protokoll, die Person nicht mehr auf der Liste.

  2. 2. Über den Preis spricht niemand.

    Was eine Flasche gekostet hat, ist eine Auskunft über den Käufer und keine über den Wein. Wer den Betrag trotzdem erwähnt, zahlt die nächste. Wer ihn zweimal erwähnt, zahlt die übernächste gleich mit und darf sie nicht aussuchen.

  3. 3. Wer fragt, was SAS heisst, schenkt nach.

    Die Regel hat sich als ausserordentlich wirksam erwiesen. Sie erklärt, weshalb neue Gäste den Abend selten nüchtern beenden, und ebenso, weshalb sie beim zweiten Besuch nicht mehr fragen. Der Zirkel hält das für Lernfähigkeit. Es könnte auch Erschöpfung sein.

  4. 4. Das Protokoll bleibt im Keller.

    Jede Sitzung wird festgehalten, von Hand, in einem Heft, das den Raum nicht verlässt. Wer es lesen will, muss anwesend sein. Wer anwesend war, erinnert sich am nächsten Tag selten daran, was darin steht. So schützt sich das Protokoll im Wesentlichen selbst.

  5. 5. Der letzte Schluck gehört dem Tisch.

    Er wird nicht eingeschenkt, nicht verteilt und nicht weggegossen. Er bleibt stehen, bis das Licht ausgeht. Nach dem Grund wurde einmal gefragt. Die Antwort dauerte vierzig Minuten, überzeugte niemanden und wurde vollständig zu Protokoll gegeben. Seither fragt niemand mehr, und alle halten sich daran.

  6. 6. Eine sechste Regel gibt es nicht.

    Sie wird dennoch regelmässig zitiert, meist gegen Mitternacht, meist von denselben zwei Personen und jedes Mal mit anderem Wortlaut. Der Zirkel hat zweimal darüber abgestimmt. Beide Male fiel das Ergebnis knapp aus, und beide Male zugunsten einer Regel, die es nicht gibt.

Kapitel IV

Das Protokoll

Auszüge aus den Sitzungsnotizen. In geeigneter Form.

  • SitzungI

    MMXXVI

    Ort
    Anwesend
    9
    Verkostet
    Drei Flaschen, eine davon
    Beschluss
  • SitzungIV

    MMXXVI

    Ort
    Anwesend
    11
    Verkostet
    Vertikale bis
    Beschluss
    Einstimmig
  • SitzungVIII

    MMXXVI

    Ort
    Keller
    Anwesend
    6
    Verkostet
    Beschluss
    Regel Nr. bestätigt
  • SitzungXIII

    MMXXVI

    Ort
    Anwesend
    Verkostet
    Eine Flasche. Sehr lange.
    Beschluss

Die Schwärzungen sind kein Stilmittel.

Kapitel V

Aufnahme

Der Zirkel wächst nicht. Gelegentlich verändert er sich.

Es gibt kein Formular, keine Warteliste und keinen Beitrag. Es gibt eine Adresse. Wer schreibt, sollte etwas mitzuteilen haben, vorzugsweise eine Flasche.

Zutritt erbitten

Wir antworten. Nicht immer schnell.