SitzungI
MMXXVI
- Ort
- Anwesend
- 9
- Verkostet
- Drei Flaschen, eine davon
- Beschluss
Ein Zirkel um Wein. Gegründet aus Gründen. Fortgeführt aus Gewohnheit.
Weiter unten wird es nicht klarer.
Irgendwann trafen sich einige Leute, um eine Flasche zu öffnen, die zu gut war, um sie allein zu trinken. Sie öffneten eine zweite, um die erste einordnen zu können. Die dritte war dann bereits Methode.
Seither kommt SAS Wein zusammen, wenn es etwas zu verkosten gibt, und gelegentlich auch, wenn nicht. Es existieren ein Protokoll, eine Sitzordnung und eine Kasse. Es existieren keine Satzung, kein Vorstand und ausdrücklich keine Website. Bis jetzt.
Was SAS Wein nicht ist, lässt sich dagegen sehr genau sagen: kein Handel, kein Verein, keine Anlageberatung, keine Loge, kein Franchise und unter keinen Umständen ein Newsletter.
Für SAS kursieren mehrere Lesarten. Wir dementieren keine.
Keine dieser Lesarten ist bestätigt. Eine davon stimmt vielleicht. Vielleicht auch keine.
Sechs an der Zahl. Über die sechste wird gestritten.
Wer eine Flasche mitbringt, bringt sie für den Tisch mit. Wer eine Flasche für sich behalten möchte, findet dafür bessere Orte als diesen. Die Regel ist die älteste, die kürzeste und die einzige, gegen die nie verstossen wurde. Einmal wurde es versucht. Der Versuch steht im Protokoll, die Person nicht mehr auf der Liste.
Was eine Flasche gekostet hat, ist eine Auskunft über den Käufer und keine über den Wein. Wer den Betrag trotzdem erwähnt, zahlt die nächste. Wer ihn zweimal erwähnt, zahlt die übernächste gleich mit und darf sie nicht aussuchen.
Die Regel hat sich als ausserordentlich wirksam erwiesen. Sie erklärt, weshalb neue Gäste den Abend selten nüchtern beenden, und ebenso, weshalb sie beim zweiten Besuch nicht mehr fragen. Der Zirkel hält das für Lernfähigkeit. Es könnte auch Erschöpfung sein.
Jede Sitzung wird festgehalten, von Hand, in einem Heft, das den Raum nicht verlässt. Wer es lesen will, muss anwesend sein. Wer anwesend war, erinnert sich am nächsten Tag selten daran, was darin steht. So schützt sich das Protokoll im Wesentlichen selbst.
Er wird nicht eingeschenkt, nicht verteilt und nicht weggegossen. Er bleibt stehen, bis das Licht ausgeht. Nach dem Grund wurde einmal gefragt. Die Antwort dauerte vierzig Minuten, überzeugte niemanden und wurde vollständig zu Protokoll gegeben. Seither fragt niemand mehr, und alle halten sich daran.
Sie wird dennoch regelmässig zitiert, meist gegen Mitternacht, meist von denselben zwei Personen und jedes Mal mit anderem Wortlaut. Der Zirkel hat zweimal darüber abgestimmt. Beide Male fiel das Ergebnis knapp aus, und beide Male zugunsten einer Regel, die es nicht gibt.
Auszüge aus den Sitzungsnotizen. In geeigneter Form.
SitzungI
MMXXVI
SitzungIV
MMXXVI
SitzungVIII
MMXXVI
SitzungXIII
MMXXVI
Die Schwärzungen sind kein Stilmittel.
Der Zirkel wächst nicht. Gelegentlich verändert er sich.
Es gibt kein Formular, keine Warteliste und keinen Beitrag. Es gibt eine Adresse. Wer schreibt, sollte etwas mitzuteilen haben, vorzugsweise eine Flasche.
Wir antworten. Nicht immer schnell.